Arbeitsmarkt 2.0

Über dieses Blog
In diesem Blog gebe ich ein paar meiner Erfahrungen als arbeitsuchender Akademiker wieder.
Geisteswissenschaften
Zunächst möchte ich meine persönlichen Erfahrungen, die ich bereits in den älteren Beiträgen beschrieben habe, durch Erfahrungen aus meinem Bekanntenkreis erweitern. Es handelt sich immer um Magister.
Fall A:
Wie ich einen Abschluss mit Auszeichnung mit dem Hauptfach Geschichte. Findet keine Stelle. Finanziert sich seine Promotion in Politik durch Lagerarbeiten.
Fall B:
Ebenfalls einen sehr guten Abschluss mit dem Hauptfach Geschichte. Hat sich ein Jahr lang immer mit unbezahlten Praktikas durchgeschlagen, bevor er das Handtuch geworfen hat und nun auf Lehramt umgesattelt hat. Wissenschaftlich ein großer Verlust!
Fall C:
Guter Abschluss in Geschichte und Politik. Hat nebenbei immer sehr viel für eine Zeitung der deutschen Minderheit in Belgien geschrieben, die ihn im Anschluss an das Studium gleich als Redakteur eingestellt hat. Hat dann parallel promoviert.
Fall D:
Guter Abschluss. Hat gleich nach dem Studium einen guten Job bekommen, da er Mitglied in einem Sportverein ist, dessen Präsident ihn gebrauchen konnte. Durch diese erste Anstellung kann er viel Erfahrung nachweisen und bekommt leicht neue Stellen.
Fall E:
Sehr guter Abschluss mit Auszeichnung in Geschichte. Parallel für eine lokale Zeitung geschrieben. Hat ein Volontariat beim Deutschen Rundfunkarchiv bekommen und ist übernommen worden.
Schlussfolgerung:
Ein sehr guter Abschluss mit Zusatzqualifikationen wie Graecum, Rumänisch etc. zählt nichts, wenn man nicht parallel zum Studium viel gearbeitet hat und somit Erfahrung nachweisen kann. Da ich im Behindertenheim und im Call Center gejobbt habe, hilft mir das natürlich nicht weiter. Des weiteren scheint es ungemein wichtig, rechtzeitig ein gutes Netz von Beziehungen aufzubauen, um über Bekannte an eine gute Stelle zu bekommen.
Die wissenschaftliche Qualifikation ist also zweitrangig, wenn nicht unbedeutend. Es zählt, was man parallel gemacht hat respektive wen man kennt.
Weiß man dies einmal, kann man sich natürlich darauf einstellen. Schade allerdings für die Wissenschaft!
Die Gesellschaft ist rein auf Nutzen ausgelegt (fast ausschließliche Förderung von Ingeneurs- und Naturwissenschaften).
Wo kommen wir aber hin, ohne gut ausgebildete Geisteswissenschaftler?




