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Arbeitsmarkt 2.0

Foto: Michael Kleu
 
von Michael Kleu

Über dieses Blog

In diesem Blog gebe ich ein paar meiner Erfahrungen als arbeitsuchender Akademiker wieder.

Foto: Michael Kleu
von Michael Kleu | 07.09.2008 | 22:50 Uhr

Vom Arbeitsamt und der ARGE

Zunächst mußte ich mich beim Arbeitsamt als arbeitssuchend melden. Anspruch auf ALG I hatte ich überhaupt nur, weil ich parallel zum Studium erst 50, dann 75 und schließlich 100% gearbeitet hatte, um mich und meine Frau finanzieren zu können.

Die gute Frau dort fragt mich also, was ich studiert hätte und ich antworte, dass Geschichte mein Hauptfach gewesen sei. Hmm, weiß sie nicht so recht was mit anzufangen und geht hilfslos ihre Liste mit den Berufsbezeichnungen durch, ohne fündig zu werden. Ich schlage Historiker vor, das stimmt sie aber nicht zufrieden. Stattdessen entscheidet sie sich mir misstrauend für Wirtschaftshistoriker,  was ich erst später in der  Beratung für Akademiker wieder ändern lassen konnte.

Hier waren sämtliche Berater äußerst nett und kompetent, sie sagten mir aber auch ganz ehrlich von anfang an, dass sie mir mit Sicherheit nicht helfen könnten. Da hatten sie recht.

Bei meiner Frau war es ähnlich. Akademikerin aus Rumänien, was soll man da machen? Nichts, außer uns zweimal Jobangebote für Russischsprachige zuzusenden. Woher soll eine Rumänin Russisch können, zumal wenn sie es nicht bei Fremdsprachen angegeben hat? Aber immerhin hat meine Frau im Gegensatz zu mir überhaupt Angebote bekommen.

Erstaunlich ist, dass uns das Arbeitsamt so vollkommen in Ruhe läßt. Wir haben beide einen akademischen Abschluss, stehen im besten Alter, aber die lassen uns einfach machen und zahlen Arbeitslosengeld.

Interessanter finde ich das noch bei unserem Mitbewohner. Studium nach zwei Jahren abgebrochen, arbeitet seitdem bei seinem Onkel auf dem Bau. Verdient da kaum, sodass der Rest, der zum Leben fehlt, durch Hartz IV ergänzt wird. Das geht jetzt schon über ein Jahr so und der hat nicht ein Angebot von der ARGE bekommen. Er bemüht sich auch nicht sonderlich darum, aber es kann doch nicht sein, dass einem Mann Mitte 20 einfach immer weiter Hartz IV gezahlt wird, anstatt ihm mal nachdrücklich eine Ausbildung oder ähnliches nahezulegen. Was soll das?

Der Vogel wurde dann aber abgeschossen, als meine Frau, eine Englischlehrerin, von einer Sprachschule im Namen des Arbeitsamtes eingestellt wurde, um Arbeitslosen in der Region Englisch beizubringen, da eine amerikanische Firma hier zwei Werke errichtet. Meine Frau kniet sich da voll rein, um diesen Leuten was beizubringen und wird dann gemeinsam mit einer Kollegin gefeuert, weil sich die Arbeitslosen darüber beschwerten, dass wirklich unterichtet wird (!). Vielmehr ging es darum, wie wir dann erst später verstanden haben, die Leute bei Laune zu halten. Die Sprachschule reagiert nämlich äußerst empfindlich auf das Wohlbehagen der Arbeitslosen. Würden sich nämlich zu viele beschweren, würde das Arbeitsamt den lukrativen Job ja vielleicht in Zukunft einer anderen Firma anvertrauen. Der Staat investiert also Geld in die Fortbildung der Erwerbslosen, wenn diesen das zu anstrengend ist, wird aber einfach der Lehrer gefeuert. Wie verrückst ist das bitte? Was passiert da mit dem Geld?

Kommentare (7)

Foto: Manfred Michael Schwirske
von Manfred Michael Schwirske | 08.09.2008 | 00:21 Uhr

Genosse, Deine Geschichte gibts millionenfach.  So sieht er faktisch aus, der Skandal Arbeitslosigkeit.
Mich wunderts, dass Du dich wunderst. Wie sollen denn Arbeitslosen ein Arbeitsangebot erhalten, wenn keine Arbeit da ist?

Gravatar von Petra
von Petra | 08.09.2008 | 09:29 Uhr

Es gibt Arbeit die aber zu 99 % an Ausländer vergeben wird an Leute die
nicht Arbeiten wollen.
Es gibt Alkoholiker die bekommen Angebote für Lehrgänge und andere
bleiben auf der Strecke.
Ich wurde dadurch in ein Privatinsolvenz getrieben weil seit Jahren mir
alles versagt und verweigert wird.
Das alles geht einen Herrn Beck, Olaf Scholz und so weiter nichts an.
Was hier gemacht wurde stört die Herrn von der Führungsebene ja nicht

Gravatar von Petra
von Petra | 08.09.2008 | 09:38 Uhr

Es gibt Arbeit die aber zu 99 % an Ausländer vergeben wird an Leute die
nicht Arbeiten wollen.
Es gibt Alkoholiker die bekommen Angebote für Lehrgänge und andere
bleiben auf der Strecke.
Ich wurde dadurch in ein Privatinsolvenz getrieben weil seit Jahren mir
alles versagt und verweigert wird.
Das alles geht einen Herrn Beck, Olaf Scholz und so weiter nichts an.
Was hier gemacht wurde stört die Herrn von der Führungsebene ja nicht

Gravatar von Hoffmann
von Hoffmann | 08.09.2008 | 09:44 Uhr

Beweise auf Blog
http://de.blog.360.yahoo.com/b … 0NA--?cq=1

http://dienstleistungen.log.ag/

Foto: Reinhold Nawratil
von Reinhold Nawratil | 08.09.2008 | 12:39 Uhr

Lieber Michael,
Deine Erlebnisse sind bezeichnend für eine Gesellschaft, deren Hauptziel es ist Probleme unter den Teppich zu kehren.
Als Betroffener, der inzwischen verrentet ist, kann ich Dir nur den dringenden Rat geben, mach Dich an die Headhunter ran und such Dir selbst einen Job. Hast Du einen, melde Dich sofort ab, damit die nicht noch Gelder von Dir zu kriegen haben. Am besten für Deine Frau gleich mit. Denn wenn einer SGBII Beihilfen erhält, wird das andere Einkommen voll dagegen gerechnet und gegebene Kredite sofort fällig. Jeder Tag zählt und bei Doppelbezug wirst Du mit Sperren und Kreditkündigungen bestraft. Um sonst sind nicht soviel Arbeitslose in die Insolvenz gegangen.
Neben den Verordnungen zum SGB sind die mangelhafte Ausbildung der angestellten Mitarbeiter der ARGE Schuld. Das meiste lernen diese bei 'Learning by Doing' oder 'Training on the Job'. Bei ersterem ist die Fehlerquote sehr hoch.
Ich begrüße übrigens, daß Du das Thema hier im Internet zur Diskussion stellst. Möge Gott die Schuldigen auf diese Seite führen.
Unsere Parlamentsangehörigen sind leider beratungsresistent. Für sie sind Arbeitslose 'arbeitsscheues und faules Gesindel' . Das von Ihnen gestalltete ARGE-Modell ist ohne jeden Fehler! Basta!
Die Beiträge in 'meineSPD.net'  zur Grundsicherung und Grundeinkommen sprechen Bände, insbesondere die von den Verfechtern der 'neuen sozialen Markwirtschaft', der 'Agenda 2010' und den 'Schröderianern'.
Ich hoffe, viele Geschädigte der ARGE melden sich in diesem Forum. Damit die Ungereimtheiten nicht mehr unter den Tisch gekehrt werden können und endlich die Widersprüche und Lücken im SGB beseitigt werden.
Da ich meiner Bekannten versprochen habe, über Ihre Kenntnisse als MA der ARGE zu schweigen. kann ich hier nicht deutlicher werden, um sie nicht zu gefährden.
Mit solidarischen Grüßen
Reinhold Nawratil
Kreistagsabgeordneter

Foto: Reinhold Nawratil
von Reinhold Nawratil | 08.09.2008 | 12:59 Uhr

@Manfred Michael Schwirske | 08.09.2008 | 00:21 Uhr
Lieber Manfred Michael,
Arbeit ist da, aber der Zugang ist beschränkt. Parteigenossen, Kommunisten und Gewerkschafter sind als MA für Referentenstellen und Führungspositionen in der 'freien Wirtschaft' ausgeschlossen. Deutet der Fächerkanon auf ein soziales Engagement ist der MA 'unbrauchbar'. Ist dieser MA auch noch mit einer Ausländerin verheiratet, aus einem 'ungesicherten Land', also kommt nicht aus der Führungselite, dann ist der ofen ganz aus.
Nur meine Qualifikationen und daß es bei mir zu spät entdeckt wurde, haben mich in einem westdeutschen Unternehmen der Sonderwirtschaft 25 Jahre überleben lassen. Man hat mir ins Gesicht gesagt nach 8 Jahren, daß ich unerwünscht sei, aber ein Betriebsratsmitglied, Techniker und Kaufmann mit Qualifikationsabschluß und Akademiker kann man nicht kostenfrei entsorgen. Der Alterteilzeitvertrag und 'zahnlose'  BR-Kollegen haben mich dann endlich geschafft. Den letzten vernichtenden Schlag kam dann durch die Rentenreform, sodaß ich knapp über dem SGB-Sätzen liege.
Mit solidarischen Grüßen
Reinhold Nawratil

Foto: Hagen Frey
von Hagen Frey | 08.09.2008 | 20:13 Uhr

Jobsuche 2.0

Hallo Michael, vielleicht versuchst Du und Deine Frau es mal bei XING.COM. Zitat: "Über 6 Millionen Geschäftsleute und Berufstätige nutzen das globale Business-Netzwerk XING in 16 Sprachen für Geschäft, Beruf und Karriere."

Einen Job kann ich nicht versprechen, aber vielleicht findet Ihr Ideen und Anregungen bei der Jobsuche. Bei XING findet ihr auch viele Sozialdemokraten wieder und es ist etwas größer als meineSPD.net. Derzeit sind gerade 19.390 Mitglieder online - etwa soviel Mitglieder hat meineSPD.net insgesamt.

Hagen